Zur Sache
Das Manifest
Es fing damit an, dass jemand aussprach, was alle dachten — und der Satz zu gut war, um ihn verfallen zu lassen.
Hikmet, von allen Hiko genannt, hat eine Eigenschaft, die man nicht lernen kann: Er trägt Vorschläge mit vollständiger Überzeugung vor. Kein Zögern, kein Augenzwinkern, keine Absicherung. Er meint es so. Genau das macht die Sache erst interessant — ein Scherz wäre in zehn Minuten vergessen.
Irgendwann fiel im Gespräch der Satz „Ich würde mich eher umbringen, als das zu essen.“, und danach war klar, dass jemand das mitschreiben muss. Aus dem Mitschreiben wurde eine Sammlung, aus der Sammlung ein Archiv. Aktuell umfasst es 2 Akten. Es wird nicht die letzte bleiben.
Die Aufmachung ist bewusst zu groß für den Anlass. Ein Vorfall, bei dem jemand Kartoffelchips statt Paniermehl vorschlägt, verdient eigentlich keine Serifenschrift und keine gedimmte Beleuchtung. Aber es ist genau diese Fallhöhe, die den Witz trägt: Der Ernst der Form steht gegen die Sinnlosigkeit des Inhalts, und die Sinnlosigkeit gewinnt jedes Mal.
Ein Hinweis in eigener Sache: In einer der Akten hatte Hiko recht. Der Fachbegriff, den er behauptete, existiert tatsächlich. Wir haben das nachgeprüft und es stehen lassen, weil ein Archiv, das nur die Niederlagen aufbewahrt, kein Archiv wäre, sondern eine Anklage.
Aufnahme zur AkteDer Beschuldigte
Hikmet Selim Kuzucanli
Hikmet Selim Kuzucanli, im Freundeskreis nur Hiko, bestreitet nichts. Er hält seine Verfahren für richtig und die Empörung der anderen für ein Bildungsproblem.
Genau das macht den Fall so ergiebig. Ein Scherzkeks wäre nach einer Woche vergessen — er dagegen trägt jeden Vorschlag mit vollständiger Überzeugung vor und verteidigt ihn anschließend jahrelang.
- Ruf
- Hiko
- Aktenlage
- 2 Vorgänge
- Aussagen gegen ihn
- 3
- Geständnisse
- Keine
- Status
- Auf freiem Fuß
- Zuständig
- Der Freundeskreis
Wie hier gearbeitet wird
Vier Grundsätze
- Nichts wird erfunden
- Jede Akte geht auf einen realen Vorfall zurück. Wo ein Datum fehlt, steht das auch so da — geraten wird nicht. Ein Archiv, das an einer Stelle schwindelt, ist an keiner Stelle mehr etwas wert.
- Aussagen bleiben im Wortlaut
- Die Reaktionen sind so protokolliert, wie sie gefallen sind. Sie werden nicht geglättet und nicht höflicher gemacht. Der Ton gehört zur Sache.
- Hikmet bekommt das letzte Wort
- Jede Akte enthält seine eigene Darstellung, unkommentiert. Er hat sie sich nicht verdient, aber ein Verfahren ohne Verteidigung wäre keines.
- Es ist Zuneigung
- Man dokumentiert niemanden über Jahre hinweg so genau, wenn er einem gleichgültig ist. Das hier ist ein Denkmal, es sieht nur nicht so aus.
Etwas beizutragen?
Wenn du bei einem Vorfall dabei warst, der hier noch fehlt: schick ihn ein. Datum, Hergang, wörtliche Reaktionen — mehr braucht es nicht.