Zum Inhalt springen
hiko.foodAkte einreichen

Nebenakte TB

Der Teddybär

Nebenakte zu einem ehemaligen Mitglied des Freundeskreises.

Cartoon: ein Hase sitzt am Laptop, hält sich aber eine Löwenmaske vors Gesicht, während er tippt.
Die genaueste Darstellung, die vorliegt

Es gibt Leute, die im Sprachkanal keinen Widerspruch dulden und an der eigenen Wohnungstür in Deckung gehen. Diese Nebenakte handelt von einem davon.

Online ist er kompromisslos: Moderator in mehreren Discord-Servern, rund um die Uhr erreichbar, im Zweifel lauter als alle anderen. Offline reicht ein Termin mit Handwerkern, um den Betrieb für mehrere Tage einzustellen.

Das Bild oben ist deshalb die genaueste Darstellung, die wir haben: der Hase am Laptop, der sich den Löwen vorhält. Beides ist echt. Nur eins davon verlässt die Wohnung.

TB-001

Die Badehosen-Doktrin

Eine Ausrede, die den Wegfall ihrer eigenen Grundlage überlebt hat.

Geplant war ein Abend beim Sushi. Er hatte zugesagt. Bis hierher war es eine Verabredung wie jede andere.

Dann erfuhr er, dass die Gruppe vorher noch schwimmen gehen wollte. Kurz darauf kam die Absage.

Die Begründung: Seine Mutter habe ihn dabei erwischt, wie er seine Badehose einpackte, und ihm daraufhin die Teilnahme untersagt — er würde sich sonst erkälten.

Wir haben angeboten, das Schwimmen einfach zu streichen. Damit war der genannte Grund weg. Erkältungsgefahr ohne Wasser gibt es nicht.

Er widersprach. Er dürfe trotzdem nicht: Seine Mutter würde ihm nicht plötzlich glauben, dass er nun doch nicht schwimmen gehe.

Damit ist dieser Vorgang der einzige uns bekannte Fall, in dem eine Ausrede den Wegfall ihrer eigenen Voraussetzung nicht nur überstanden, sondern daraus zusätzliche Kraft gezogen hat.

Rekonstruktion der Ausrede

Warum jeder Zug ins Leere lief

Zug 1 von 5

Zusage

Abend beim Sushi. Er ist dabei, ohne Vorbehalt. Zu diesem Zeitpunkt existiert kein Problem.

Auf einen Zug tippen, um ihn zu erklären. Gold ist der Ausweg, den wir angeboten haben. Rot ist der Grund, warum er nicht genommen wurde.

Bemerkenswert ist nicht die Absage. Bemerkenswert ist, dass die Begründung so gebaut war, dass sie auch dann noch trug, als ihr Fundament weggenommen wurde.

TB-002

Die Türöffnung

Mehrere Tage Ausnahmezustand für einen Handgriff.

Über mehrere Tage war er im Sprachkanal kaum ansprechbar, und wenn doch, dann zu genau einem Thema.

Der Anlass: Handwerker sollten ins Haus kommen, in dem er mit seinen Eltern wohnt. Die Eltern waren zu dem Zeitpunkt nicht da.

Sein Anteil am gesamten Vorgang bestand darin, die Tür zu öffnen. Danach hatten die Handwerker im Bad zu tun, er nicht.

Aus diesem Handgriff wurde ein mehrtägiger Ausnahmezustand, inklusive Panik im Sprachkanal und ausführlicher Lagebesprechungen mit Leuten, die nichts damit zu tun hatten.

Derselbe Mensch moderiert im Netz Server mit hunderten Mitgliedern und trägt Konflikte aus, ohne mit der Wimper zu zucken. Der Unterschied liegt offenbar nicht im Schwierigkeitsgrad, sondern darin, ob die Sache eine Türklinke hat.

Verhältnismäßigkeit

Aufwand gegen Ausnahmezustand

Tatsächlich verlangt

1/10

wenige Sekunden

  • Tür öffnen
  • Handwerker hereinlassen
  • Keine Beteiligung an den Arbeiten im Bad
  • Keine Entscheidung zu treffen

Tatsächlich erlebt

10/10

mehrere Tage

  • Dauerthema im Sprachkanal
  • Panik im Vorfeld
  • Lagebesprechungen mit Unbeteiligten
  • Erreichbarkeit auf ein Thema reduziert

Beide Säulen liegen auf derselben Skala. Der Abstand dazwischen ist der eigentliche Vorgang.

Zwischen dem, was zu tun war, und dem, was daraus wurde, liegt die gesamte Nebenakte.

TB-003

Die EINSTUDIERTE Grafikkarte

Monate Vorbereitung. Am Ende hat die Nase die einzige zutreffende Diagnose geliefert.

Monatelang hat er EINSTUDIERT. Nicht überflogen, nicht mal eben nachgelesen — EINSTUDIERT. Chipgenerationen, Speicheranbindung, Preisverläufe, welcher Hersteller welche Kühlung verbaut, wann sich der Gebrauchtmarkt bewegt und wann man besser wartet.

Und das Wissen war echt. Wer ihn in dieser Zeit nach einer Grafikkarte fragte, bekam einen Vortrag, und der Vortrag stimmte. Er kannte den Markt besser als jeder von uns, weil er ihn sich vollständig selbst EINSTUDIERT hatte.

Am Ende dieses Verfahrens stand eine gebrauchte Grafikkarte für unter 50 Euro.

Den entscheidenden Hinweis lieferte er anschließend selbst, unaufgefordert: Die Karte habe massiv nach Zigaretten gestunken. Die naheliegende Erklärung war, dass sie beim Vorbesitzer nicht nur im Rechner steckte, sondern in Reichweite eines Aschenbechers stand — oder als solcher gedient hat.

Wenige Wochen später war sie kaputt.

Parallel lief die zweite Baustelle. Sein Mainboard meldete zeitweise 300 Grad. Statt daraus den einzig möglichen Schluss zu ziehen, hat er sich tagelang damit gestresst.

Die Einordnung ist unangenehm einfach: Bei 300 Grad wäre das Lötzinn auf der Platine längst flüssig. Ein Board mit dieser Temperatur meldet gar nichts mehr, weil es dann keine Platine mehr ist, sondern eine Pfütze. Wer die Zahl abliest, weiß in derselben Sekunde, dass nicht das Board defekt ist, sondern das Messgerät. Genau diesen Teil hatte er nicht EINSTUDIERT.

Bilanz des Vorgangs

Vorbereitung
monatelang EINSTUDIERT
Marktkenntnis danach
tatsächlich vorhanden
Kaufpreis
unter 50 €
Zustand bei Übergabe
riecht nach Aschenbecher
Haltbarkeit
wenige Wochen
Diagnosemittel, das half
die Nase

Einordnung des Messwerts

Was 300 Grad auf einem Mainboard bedeuten würden

  1. Mainboard im Normalbetrieb35 °C
  2. Grafikkarte unter Last60 °C
  3. Wasser kocht100 °C
  4. Backofen auf Pizzastufe180 °C
  5. Lötzinn wird flüssig220 °C

    Grenze der Hardware

  6. Anzeige seines Sensors300 °C

    Gemeldeter Wert

Ab etwa 220 Grad löst sich eine Platine in ihre Bestandteile auf. Ein Board, das 300 Grad meldet und dabei weiterläuft, meldet nicht seine Temperatur — es meldet den Zustand seines Sensors.

Bemerkenswert ist nicht der Fehlkauf. Bemerkenswert ist das Verhältnis: monatelang EINSTUDIERT, und am Ende war die Nase das genaueste Messgerät im Haus.

In eigener Sache

Zum Schluss

Zum Schluss das Wichtigste: Das hier ist mit Zuneigung geschrieben. Er ist im Kern ein außerordentlich netter Kerl, und genau deshalb ist der Kontrast zwischen dem Löwen im Sprachkanal und dem Hasen an der Wohnungstür so komisch. Wer sich in dieser Akte wiedererkennt, darf sie als Einladung verstehen, wieder mit Sushi essen zu kommen. Schwimmen ist optional.