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Nebenakte EM

Emre

Powerlifter, Ernährungsberater, Tarifexperte. Im Call auf halber Geschwindigkeit.

Zeichnung statt Foto: links eine Sprechblase mit der Bitte „Grob, bitte. Ein Satz reicht.“, darunter ein kurzer goldener Balken für das Erbetene und ein langer roter für das Gelieferte. Rechts ein Smartphone mit einem Tarifvergleich zwischen „iPhone 17 Pro Max Ultra“ (teurer) und „iPhone 18 Pro Klapp 14 5X Preo 312“ (neuer), darunter ein Datenblatt mit RAM, 500-Pixel-Kamera und weiteren Zeilen, die unten aus dem Bildschirm laufen. Rechts daneben Emre als Cartoon: dunkles, volles Haar, kurzer Bart, schwarzes Shirt, ein Headset auf dem Kopf; mit halb geschlossenen Lidern schaut er zufrieden auf das Datenblatt. Ein roter Stempel: „Zu viel“.
Rekonstruktion zu EM-001 – ein Foto liegt nicht vor

Emre hebt schwere Gewichte, berät andere in Ernährungsfragen und hat zu den meisten Dingen eine eigene Theorie – meistens eine, die in keinem Schulbuch steht. Auf dem Papier ist das ein Mensch mit Disziplin.

Im Sprachkanal ist davon wenig zu merken. Dort läuft er auf halber Geschwindigkeit, hängt gedanklich in Schleifen und taucht aus ihnen mit Informationen auf, nach denen niemand gefragt hat.

Dazu kommen ein paar Widersprüche, die ihn im Freundeskreis auszeichnen. Er spricht fließend mexikanisches Spanisch und versteht trotzdem keinen Spanier. Er liebt Mexiko, lebt aber mit einem Hund, der das Haus noch nicht als Haus begriffen hat. Und den Biologie-Leistungskurs hat er bis heute nicht verarbeitet – die Lehrerin dieses Kurses ebenso wenig.

EM-001

Der Tarifvergleich

Gefragt war ein Satz. Geliefert wurde ein Datenblatt – mit dem umgekehrten Ergebnis.

Eigentlich ging es in diesem Call um die Teddybär-Akte, genauer um die Geschichte hinter der Namensregel. Emre war dabei. Anwesend wäre das genauere Wort.

Er wirkte wie bekifft: träge, verzögert, und nichts von dem, was gesagt wurde, schien anzukommen. Das ist ausdrücklich ein Vergleich und keine Feststellung – der Zustand ist bei ihm im Call schlicht nicht ungewöhnlich.

Statt bei der Geschichte war er in einer Schleife: Handyverträge. Er verglich Tarife, und als die Runde das Thema überspringen wollte, verglich er weiter. Je deutlicher der Wunsch nach einem anderen Thema wurde, desto tiefer ging er in die Einzelheiten.

Die Bitte an ihn war klar: keine Details, weil die sich so nicht weiterverarbeiten lassen. Ein grober Satz reiche, etwa: Das neueste Modell ist deutlich teurer als das ältere.

Die Antwort: Das iPhone 17 Pro Max Ultra mit 14 GB RAM und 500-Pixel-Kamera sei teurer als das iPhone 18 Pro Klapp 14 5X Preo 312 mit 4 GB RAM. Die Modellbezeichnungen sind ein Gedächtnisprotokoll. Dass es diese Geräte so nicht gibt, ändert nichts an der Überzeugung, mit der sie vorgetragen wurden.

Damit hat die Antwort nicht nur den erbetenen Detailgrad verfehlt, sondern auch die Richtung. Gefragt war, ob das Neue teurer ist. Geantwortet wurde, dass das Ältere teurer ist – in einer Form, aus der sich das erst beim dritten Hinhören herauslesen ließ.

Zur 500-Pixel-Kamera: Das wäre ein Bild von ungefähr 25 mal 20 Bildpunkten. Ein einfaches VGA-Bild mit 640 × 480 hat gut sechshundertmal so viele.

Nebenbei erwähnte er, dass er 28 sei und den Preisvorteil für unter 28-Jährige deshalb nicht mehr bekomme. Seine Überlegung: den Vertrag einfach über einen jüngeren Freund laufen lassen. Ob das mit den Vertragsbedingungen vereinbar wäre, hat er bei aller Detailtiefe nicht geprüft – ausgerechnet das nicht.

Und die Teddybär-Akte? Die Geschichte ist an diesem Abend nicht angekommen, und sie ist es bis heute nicht. Emre kennt die Akte vom Hörensagen. EINSTUDIERT hat er sie nicht.

Verhältnismäßigkeit

Erbetene Antwort gegen gelieferte Antwort

Erbeten

1/10

ein Satz

  • Grob, ohne Zahlen
  • Etwa: Das neue Modell ist teurer
  • Danach ein anderes Thema

Geliefert

10/10

ein Datenblatt

  • Zwei Modellbezeichnungen, die es nicht gibt
  • Arbeitsspeicher in Gigabyte
  • Kameraauflösung in Pixeln
  • Ergebnis: das ältere Modell ist teurer

Beide Säulen liegen auf derselben Skala. Der Abstand dazwischen ist der eigentliche Vorgang.

Bilanz des Vorgangs

Thema des Calls
die Teddybär-Akte
Erbetene Detailtiefe
ein Satz
Emres Thema
Handyverträge
Gelieferte Detailtiefe
ein Datenblatt
Kamera laut Vortrag
500 Pixel
Teddybär-Akte verstanden
bis heute nicht

Bemerkenswert ist nicht, dass er sich in Tarife verbeißt. Bemerkenswert ist, dass die Recherche jede Einzelheit erfasst hat außer der einen, nach der gefragt war.

In eigener Sache

Zum Schluss

Auch diese Akte ist mit Zuneigung geschrieben. Emre ist einer, auf den man sich verlassen kann – solange man ihn nicht nach einem Handyvertrag fragt. Die Teddybär-Akte liegt für ihn bereit und wartet darauf, endlich EINSTUDIERT zu werden.